Geschichte des Wiener Frühstücks

Von der Biersuppe zur Wiener Melange.

International bekannt


Das Wiener Feingebäck erfreute sich spätestens ab dem Wiener Kongress auch international großer Beliebtheit. Selbst auf der R.M.S. Titanic waren „Vienna and Graham Rolls“ (=Kaisersemmel und Grahamweckerl) bereits in jeder Passagierklasse selbstverständlicher Teil des Frühstücks. Die weltweit als „Viennoiseries“ bekannten Waren basieren auf einer Backkunst, deren Tradition weit in das frühe Wiener Mittelalter reicht. Dass sie zu den Klassikern eines Wiener Frühstücks zählen, ist noch nicht so lange her.



Was während der Zeit der Römer noch in rauen Mengen verfügbar war, konnte im Mittelalter oft schon Mangelware sein. Die Klimaveränderung brachte eine kleine Eiszeit über das Land. Die Hungersnot machte erfinderisch und neue Techniken wurden eingesetzt, um die Effizienz der Nahrungsbeschaffung zu steigern. Kälte, Dreifelderwirtschaft und Religion veränderten die Essgewohnheiten der Menschen. Das Frühstück bestand über Jahrhunderte hinweg aus einer Suppe oder Brei mit Brot. Dieses erste „Stück“ Brot in der „Früh“ war im deutschen Sprachraum namensgebend für die erste Mahlzeit am Tag. In anderen Sprachräumen Europas wird das Frühstück mit dem Fastenbrechen am Morgen gleichgesetzt. (Vgl. „breakfast“ in Englisch oder „desayuno“ in Spanisch).



Von der Suppe zum Kaffee


Die Suppen oder Breie waren meistens auf Getreide- oder Mehlbasis gekocht. Da Fleisch in der bäuerlichen Bevölkerung selten bis nie auf dem Tisch kam, war die Stärke im Getreide unerlässlich als Nahrungs- und Kraftquelle für den harten Alltag. Wasser aus den Brunnen und Bächen war oft verunreinigt, weshalb die Menschen häufig zu Alternativen griffen. Mitunter ein Grund für die Entstehung der Bier- und Weinsuppen. Die Zutaten einer solchen Suppe waren auf jedem Bauernhof zu finden: Bier, Mehl, Eier, Butter, altes Brot und Wiesenkräuter. Jene, die es sich leisten konnten, fügten Salz, Zucker oder sogar Zimt bei.



Gemüsesuppen, Biersuppen und Breie blieben für viele Jahrhunderte die erste Mahlzeit der Wiener:innen. Selbst Maria Theresias Kinder bekamen noch mehrmals die Woche Suppe zum Frühstück. Grundlegende Veränderungen der Essgewohnheiten erfolgten erst mit dem Aufkommen der neuen Kolonialwaren. Kaffee, heiße Schokolade und Tee, die mit weißem Gebäck serviert wurden, ersetzten nach und nach die morgendliche Suppe.


Einfaches oder vollständiges Frühstück?


Heute unterscheiden wir in Wien zwischen dem einfachen und dem vollständigen Frühstück. Während das einfache aus einem weißen Gebäck und einem Heißgetränk besteht, wird beim vollständigen Frühstück auch Butter, Honig und Marmelade serviert. Pikant wird es erst beim Wiener Gabelfrühstück. Doch das ist ein eigenes Kapitel.


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Quellen:

https://www.kulinarisches-erbe.at/geschichte-der-ess-trinkkultur/historische-kuechen/wiener-kueche/fruehstueck/ (2021).

https://austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Damals_in_der_Steiermark/Suppe_gab_es_zum_Frühstück(2021)

Ingrid Haslinger, Die Wiener Küche. mandelbaum Verlag (Wien 2018). 91-93.