Eine Geschichte vom Besteck

Aktualisiert: 14. März 2021

Woher stammt die Bezeichnung "Besteck" und warum essen Europäer mit einer Gabel?


Gabel, Messer, Schere, Licht . . .


In der Silberkammer Wien lassen sich mancherlei Kuriositäten finden. Reminiszenzen aus einer vergangenen Zeit verdeutlichen, wie sich die Gepflogenheiten der Gesellschaft entwickelt haben. Der Gebrauch von Werkzeug zur Einnahme von Nahrungsmittel nimmt eine bedeutsame kulturelle Stellung in der Geschichte der Menschheit ein. Warum beispielsweise manifestierte sich in Europa die Gabel, während in Asien Essstäbchen einen höheren Stellenwert einnehmen. Heute ist die Gabel selbstverständlich und wird mit europäischer Esskultur assoziiert. Dabei ist Gabel gewiss keine europäische Erfindung, sondern gelangte vermutlich über orientalische Händler nach Venedig. Von Italien breitete sie sich im Laufe des 9. und 10. Jahrhunderts in Europa aus und findet sich erst nach und nach in den Inventarlisten europäischer Fürsten. Doch selbst der Gebrauch einer Gabel war nicht unumstritten. Persönlichkeiten wie Martin Luther oder Erasmus von Rotterdam lehnten den Gebrauch ab. Sie wurde sogar als »Teufelskralle« bezeichnet. Dennoch setzte sich der Pragmatismus durch.


"Besteck"


Viele unserer Gegenstände tragen ihre Geschichte in der Etymologie ihrer Bezeichnung. So ist es auch beim Besteck. In der Silberkammer Wien finden Sie das Mundzeug von Maria Theresia. Im 17. und 18. Jahrhundert war es noch üblich, dass Adelige ihr eigenes Besteck besaßen. Mundzeug ist die gehobene Bezeichnung für jenes Werkzeug, welches das Bürgertum am Gürtel trug (=besteckt hatte). Letzteres setzte sich im heutigen Sprachgebrauch durch. Reisebesteck führten Menschen bis ins 19. Jahrhundert bei sich. Heute ist gibt es kaum mehr einen Klapplöffel oder eine Klappgabel zu kaufen. Das Klappmesser konnte jedoch seinen Nutzen bis heute halten.


Das weiße Gold


Neben dem Reisebesteck war es üblich, auch seine eigene Gewürzbüchse mitzunehmen. Insbesondere Salz. Das Mundzeug von Maria Theresia inkludiert eine kleine Büchse, welches mit Salz gefüllt war. Salz war ein teures Gut. Bediensteten wurden Aberglauben eingetrichtert, dass das Verstreuen von Salz Unglück bringe. Salzschiffer, die das weiße Gold auf der Donau transportierten, durften nicht die Fähigkeit des Schwimmens besitzen. Im Falle eines Sturmes würden sie sich nicht durch einen Sprung ins Wasser in Sicherheit bringen, sondern die wertvolle Fracht bis in den Tod beschützen. Doch das war nicht der Grund, warum Fürsten ihr eigenes Salz mit sich führten. Viel gefürchteter das Arsen im Salz. Wurde dieses chemische Mittel in das Salz der unerwünschten Person beigemengt, würde diese gewiss den Löffel abgeben.


Quellen:

https://www.weltkunst.de/kunstwissen/2016/12/stilkunde

https://www.alimentarium.org/de/magazine/geschichte/die-gabel

https://www.hofburg-wien.at/ueber-den-standort/silberkammer/imari-porzellan/

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